Den Kampf loslassen

Heute möchte ich gerne über die Ursachen reden, warum wir uns in unserem Alltag abends oft einfach nur müde, schlapp oder sogar vollkommen ausgelaugt fühlen. Ein häufiger Grund dafür ist sicherlich, dass wir uns die meiste Zeit des Tages in unseren Gedanken nicht im jeweiligen Moment, sondern meist schon ein, zwei, drei oder mehr Schritte weiter in der näheren (oder auch weiter entfernten) Zukunft befinden. Unsere Pläne für den Tag hetzen sozusagen voran und wir rennen hinterher. Während wir zum Beispiel das Frühstück machen, sind wir in unseren Gedanken vielleicht schon auf dem Markt, im Büro oder bringen die Kinder zur Schule. Wenn wir dann auf dem Markt, vor der Schule oder im Büro sind, bereiten wir gedanklich schon das Mittagessen vor, planen die Präsentation für übermorgen oder holen die Wäsche von der Reinigung ab. Da dieses Planen und „Voraus schauen“ kollektiv so gehandhabt wird, halten wir es zwar für normal und praktisch. (es ist keines von beidem) Unser Gehirn und unser System befindet sich dabei aber ständig in einer Art „Alarmbereitschaft“. Wir haben dann oft das Gefühl, dass wir der Zeit und auch uns selbst ständig nur hinterherlaufen. In unserem allgemeinen Sprachgebrauch nennen wir das dann Stress.

Eine andere, oft viel zu unterschätzte Ursache sind die vielen kleinen, häufig von uns vollkommen unbemerkten Kämpfe in uns selbst. Kämpfe, an die wir uns schon so sehr gewöhnt haben, die so „normal“ für uns geworden sind, dass wir sie überhaupt nicht mehr als solche wahrnehmen. Manchmal blicken wir einfach am Ende eines Tages zurück und wundern uns. Denn selbst wenn wir an diesem Tag keine extrem volle „To do“-Liste abgearbeitet haben, fragen wir uns manchmal, was uns denn heute eigentlich so sehr erschöpft und uns alle Energie genommen hat? Was uns dermaßen „leergesaugt“ hat, dass wir für die Dinge, die uns wirklich wichtig sind, keinen Nerv und keine Kraft mehr haben.

Dass wir uns an solchen Tagen die meiste Zeit in einem „Kampfmodus“ befunden haben, das können wir in so einem Zustand eher selten reflektieren. Dieses ständige Kämpfen kann sich sogar so vertraut anfühlen, dass wenn wir zwischendurch mal einen Tag haben, an dem wirklich alles rund und „wie am Schnürchen“ läuft, wir uns zwar einerseits darüber freuen. Auf der anderen Seite kann es aber durchaus sein, dass sich dann relativ schnell ein „ungutes Gefühl“ oder so etwas wie ein schlechtes Gewissen „einschleicht“. So ein diffuses Gefühl von „es nicht verdient zu haben“, von „zu schön um wahr zu sein“, „irgendetwas wichtiges vergessen zu haben“ oder die Erwartung, dass „das dicke Ende bestimmt noch kommt“. Dass wir an so einem Tag aber einfach mal „Leben im Fluss“ (oder Flow) kennen gelernt haben, ist uns dann so fremd, dass es uns unter Umständen fast schon etwas bedrohlich daherkommt.

Aber um was geht es in diesen Kämpfen? Wer oder was in uns treibt uns da an?

Und zwar von uns selbst oft vollkommen unbemerkt…

 

Meist setzt es sich zusammen aus einer Kombination von Glaubensmustern und -sätzen, durch unzählige Wiederholungen erlernte und/oder übernommene „Überzeugungen“ und aus sogenannten „schlechten Erfahrungen“. Was meine ich damit? Ich glaube jeder von uns kennt so „Lebensweisheiten“ wie:

  • Das Leben ist kein Ponyhof
  • Ohne Fleiß kein Preis
  • Im Leben bekommst Du nichts geschenkt
  • Das Leben ist wie eine Hühnerleiter, kurz und besch…
  • Von nichts kommt nichts
  • Der frühe Vogel fängt den Wurm
  • Ein Indianer kennt keinen Schmerz
  • Wer rastet der rostet
  • Harte Arbeit wenig Lohn
  • Geld verdirbt den Charakter
  • Das Leben ist ein Kampf
  • Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
  • …..

Je nach Umgebung und Familiengeschichte, in der wir aufgewachsen sind, kann diese Liste und ihre regionalen Varianten noch endlos erweitert werden. Was aber ist jetzt so problematisch an diesen „Weisheiten“? Was ist, vom Unterschied in der Formulierung mal abgesehen, allen gemeinsam?

Es ist die Energie, die in ihnen steckt. Wenn Du möchtest, dann mach mal einen kleinen Test. Such Dir einfach einen beliebigen Satz aus der Liste aus (oder nimm auch gerne einen, den Du kennst, der in diese Kategorie passt und den Du selbst schon unzählige Male gehört und/oder selbst im Geist wiederholt oder auch ausgesprochen hast). Schließ nun die Augen, atme zwei, drei Mal bewusst tief ein und aus und dann sprich den Satz aus. Und jetzt fühl Dich mal ganz bewusst durch Deinen Körper. Wie fühlt er sich dabei an? Eng oder weit? Leicht oder schwer? Entspannt oder angespannt? Hell oder dunkel? Erfolgreich oder resigniert? Beobachte Deine Muskeln. Deine Haltung. Deinen Kiefer. Deinen Nacken. Deine Schultern. Deinen Bauch. Was passiert in Dir? Wenn man dieses Experiment zum ersten Mal macht, dann kann sich das, was Du spürst ungewohnt oder wie „Zufall“ anfühlen. Wiederhole dieses Experiment deswegen ruhig noch mit ein, zwei anderen Sätzen.

Unser Unterbewusstsein reagiert immer UNMITTELBAR auf das, was wir denken und glauben, also auch auf solche Sätze. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Und – schwupps – sind wir mitten im Kampfmodus, ohne dass uns das bewusst ist. Wir kämpfen dabei mit dem – wie wir in unseren „Überzeugungen“ zum Ausdruck bringen – stärksten Feind, nämlich dem Leben an sich. Und unser gesamtes System, das ja darauf programmiert ist uns jederzeit zu unterstützen und am Leben zu erhalten, stellt uns auf Grund dieser „Bedrohung“ sofort alle chemischen Botenstoffe zur Verfügung, die wir entweder zu unserer Verteidigung, zur Flucht oder zur Erstarrung benötigen. Alles drei sind Ur-Überlebensstrategien, die im ältesten Teil unseres Gehirns abgespeichert sind und bei „Gefahr“ blitzschnell mit der jeweiligen Situation abgeglichen und abgerufen werden. Und das in Bruchteilen von Sekunden. Wir brauchen glaube ich wenig Fantasie dafür um uns auszumalen, was es mit unserem Körper und unserem Energiehaushalt anstellt, wenn wir uns dank unserer Vorstellungen und „Überzeugungen“ permanent „im Krieg“ mit dem Leben befinden.

Jede „Idee“ von Kampf richtet sich nämlich dabei zu allererst mal gegen uns selbst. Weil in unserem System genau das passiert, was Du gerade in diesem kleinen Test mit einem einzigen, kleinen Satz wahrnehmen konntest. Das gilt für die „kleinen“ alltäglichen, aber auch für alle großen Kämpfe. Selbst dann, wenn sie im ersten Moment in einem positiven Kontext daher kommen, wie wir sie zum Beispiel häufig als Motto auf Kundgebungen finden. Antikriegsdemonstration, gegen Atomkraft, gegen Prostitution, gegen „Rechts“ und und und… Das bedeutet jetzt aber nicht, dass einem alles egal sein, man die Hände in den Schoß legen oder sich für nichts mehr engagieren sollte. Ganz im Gegenteil. Aber auch hier gilt wieder das universelle Gesetz: „Energie folgt der Aufmerksamkeit“. Ich möchte hier kurz eine kleine, aber sehr kraftvolle Frau zitieren, die noch heute von vielen für ihr Engagement bewundert wird. Die nicht nur viel Gutes in ihrem Leben geleistet hat, sondern dies auch kraftvoll und bis ins wirklich hohe Alter tun konnte. Weil sie dieses kleine universelle Gesetz verstanden und sich nicht mit „Kampf“ aufgehalten hat, dabei aber kein bisschen „tatenlos“ oder defensiv war.

Ich rede von Mutter Theresa. Sie hat viele wertvolle Dinge in ihrem Leben gesagt. Ihr wird auch dieses Zitat zugeschrieben, das dabei hilft einen sehr entscheidenden Unterschied in der Energie durch die Veränderung der inneren Haltung zu verdeutlichen:

„Ladet mich nicht zu einer Anti-Kriegs-Demonstration ein, ich werde nicht kommen. Zu einer Kundgebung FÜR den Frieden komme ich dagegen gerne“

Sie war eine bescheidene und sehr weise Frau. Und wir müssen nicht ins Kloster gehen, einem Orden oder einer Kirche beitreten, um der Weisheit ihrer Worte folgen zu können. Sie hatte in ihrem langen Leben viel mit weltlichem Leid zu tun, deswegen sind auch ihre Worte sehr weltlich und in ihrer Tiefe für jeden gut zu verstehen.

Was sie uns damit sagen wollte ist, dass jeder Einsatz GEGEN etwas immer mit Kampf einher geht und sich darum immer erst gegen uns selbst richtet. Weil eine Ausrichtung auf Kampf und die Überzeugung „kämpfen zu müssen“ uns unsere Energie entzieht. Und damit automatisch auch immer „unserer Sache“, für die wir „in den Kampf“ ziehen. Vom Inhalt her scheint die Formulierung keinen großen Unterschied zu machen. Von der Energie, die hinter den Worten steht, ist es aber entscheidend.

Jeder, der daran noch seine Zweifel hat, kann es nochmal mit der kleinen Übung von vorhin probieren. Denn unser Körper antwortet uns – wie wir erfahren haben – immer sofort und unmittelbar darauf, mit welcher inneren Haltung wir auf dem für uns und unser Wohlbefinden richtigen oder auf dem „Holzweg“ sind. Der für uns und unser Wohlbefinden richtige Weg lässt uns immer in unserer Kraft. Der „Holzweg“ entzieht sie uns. Teste einfach die beiden Varianten und spüre sofort den Unterschied in Deinem System. „Ich kämpfe gegen Krieg“ (was ja an sich schon absurd genug ist) und alternativ „Ich engagiere mich für den Frieden“.

Auch diese kleine Übung zeigt uns nochmal sehr eindrücklich, wie machtvoll Worte (und Gedanken) sind. Darum kann es sehr hilfreich sein, damit anzufangen unsere Worte und unsere Gedanken zu beobachten. Wohin richtet sich ihre Aufmerksamkeit? Wenn wir – besonders am Anfang – nicht ganz sicher sind, ob sie nun gerade unterstützend für uns sind oder nicht, dann brauchen wir nur diese kleine Übung zu machen. Und sobald wir merken „Ui, da ist aber ganz schön viel Kampfenergie drin“, ist es ratsam und hilfreich, diese Sätze bewusst so umzuformulieren und zu korrigieren, dass sie uns dienen und sich unser System wieder entspannt. Immer dann, wenn wir merken, dass wir gerade wieder in der alten Schleife hängen geblieben sind.

Denn diese Energie, die wir in unserem Körper so eindrucksvoll wahrnehmen konnten, die schicken wir durch unsere Gedanken und unsere Intension auch direkt hinaus in die Welt. Und vermehren sie damit. Also frage Dich, welche Energie will ich aussenden? Was möchte ich vermehren und was nicht? Engagement ist gut, wertvoll und wichtig. Heute mehr denn je. Aber wenn es aus einer „Dagegen“-Haltung und der damit verbundenen Kampfenergie heraus erfolgt, führt es am Ende nur zu noch mehr Kampf. Und damit auch zu noch mehr von all den damit verbundenen Gefühlen. Darum wähle weise. Deine Gedanken, Deine Worte, Deine Ziele.

Wenn auch Du des Kämpfens müde geworden bist, dann achte auf all die „kleinen Baustellen“, auf denen Du den ganzen Tag über kämpfst. Und dann lass BEWUSST los und gib den Kampf auf. Das ist der beste Weg um Deine Energie wieder zu Dir zurück zu holen. Das gilt sowohl für Dein öffentliches Engagement und die großen „Kämpfe“, genauso wie auch für all die kleinen alltäglichen – inneren wie äußeren – „Kämpfe“.

Um nicht nur mit destruktiven kollektiven „Überzeugungen“ daher zu kommen, folgen hier als kleine Unterstützung und hilfreiche Alternative noch ein paar konstruktive kleine „Weisheiten“, die uns dabei unterstützen können, zurück in unsere Kraft zu kommen:

  • Der Klügere gibt nach (was, wie fälschlich oft gedacht, absolut nichts mit Schwäche zu tun hat und auch nicht gleichbedeutend ist mit „alles gut zu heißen“)
  • Wer loslässt, hat beide Hände frei
  • Wo eine Tür zu geht, öffnet sich eine andere

Um es mit einem weiteren meiner Vorbilder und wie ich finde wirklich sehr schlauen und auch philosophischen Menschen zu sagen: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Albert Einstein)

Wenn Du also bemerkst, dass Du wütend und frustriert bist und das Gefühl hast, kämpfen zu müssen, dann versuch als erstes ein paar Mal tief ein- und auszuatmen. Und DANN den Kampf BEWUSST loszulassen. Wenn das nicht funktioniert, weil Du schon mittendrin steckst und Dein Körper bereits „angesprungen“ und aufgeladen ist mit dieser Energie, dann versuch das Gefühl BEWUSST wahrzunehmen und einfach mal „da sein zu lassen“. Nach neuesten neurologischen Erkenntnissen dauert so ein bewusst gefühltes Gefühl im Normalfall ca. 90 Sekunden, bis es unseren Körper „durchwandert“ hat und anfängt sich aufzulösen. Allerdings nur dann, wenn wir es ausschließlich fühlen und nicht mit weiteren Gedanken „füttern“. Sollte das bereits passiert sein und Dein Körper hat bereits alles ausgeschüttet, um Dich „für den Krieg und das Überleben zu rüsten“, dann such Dir eine Alternative, mit der Du dieser Energie konstruktiv, das bedeutet zu DEINEM und dem Wohl aller, ein Ventil geben kannst.

Bei mir ist das zum Beispiel Hausarbeit. Es ist vollkommen erstaunlich, wie schnell eine Küche aufgeräumt oder eine Wohnung durchgesaugt sein kann, wenn man wütend ist. Gut funktioniert auch etwas auszumisten. Es kann wirklich sehr effektiv sein, weil man in diesem Zustand nicht lange rum überlegt, ob man jetzt Lust dazu hat oder ob man das oder jenes nicht vielleicht doch noch aufheben sollte. Vor die Tür zu gehen und sich die Energie aus dem Körper zu laufen ist auch wunderbar. Aber auch laute Musik aufzulegen, dazu zu tanzen und laut mitzusingen hilft mir dabei sehr. Die Musikrichtung wechselt dann mit der Zeit ganz automatisch, je mehr „Kampfenergie“ aus meinem Körper „entweichen“ durfte. 😉

Den Kampf loszulassen dient an erster Stelle mal in höchstem Maße Dir selbst. Denn zuerst bringt es den Frieden und die Leichtigkeit zu Dir, in Dich zurück. Da Du dann auch eine ganz andere Energie ausstrahlst und in die Welt gibst, wird dem Resonanzgesetz folgend auch neue und friedvolle Energie zu Dir zurückkommen. Du hast somit (siehe Albert Einstein) eine andere, neue Ebene betreten, auf der jetzt auch andere, neue, bessere Lösungen möglich sind. Zuerst für Dich. Und durch die Erhöhung und Erweiterung der leichteren Schwingung auch in Deinem Umfeld. Und da wir niemals wissen können, wen wir mit unserer Energie, vor allem der positiven erreichen, immer auch in der Welt.

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